Cholesterin

Funktionen im Körper und chemische Eigenschaften

Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran. Der Körper benötigt es zur Bildung von Hormonen, Gallensäuren, Vitamin D, Nervengewebe und Zellmembranen [8]. Außerdem wird es für den Fetttransport im Körper benötigt. Cholesterin kann durch die Nahrung aufgenommen, aber auch in größerer Menge vom Körper selbst synthetisiert werden und ist daher kein essenzieller Nährstoff. Chemisch gesehen ist Cholesterin ein Sterin und hat eine fettähnliche Struktur. Es kommt im Blutplasma in freier und veresterter Form vor. [1, 2, 3]

Zufuhr von Cholesterin

Laut Österreichischen Ernährungsbericht (2017) liegt die tägliche mittlere Zufuhr von Nahrungscholesterin bei Frauen mit 281 mg pro Tag unter den Referenzwerten, während die Zufuhr bei Männern mit 390 mg pro Tag darüber liegt [4]. Nahrungscholesterin kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Zu den cholesterinreichen Lebensmitteln zählen Innereien, Speck (62mg/ 100g), Schlagobers (84 mg/ 100g) sowie fettreiche Fleischwaren und Käsesorten. Eier (vor allem der Dotter) sind fett- und cholesterinreich (396 mg/ 100g). [8, 12] Dennoch sind sie eine gute Quelle für biologisch hochwertiges Protein sowie eine Reihe von lebensnotwendigen Nährstoffen. Lange Zeit wurde ein zu hoher Verzehr von Eiern als kritisch angesehen. Aktuelle Studien zeigen aber widersprüchliche Ergebnisse. Demnach kann derzeit keine Obergrenze für den Verzehr von Eiern abgeleitet werden. Eine unbegrenzte Menge ist im Rahmen einer pflanzenbetonten Ernährung dennoch jedoch nicht zu empfehlen. [14]

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Wie beeinflusst das Nahrungscholesterin die Blutfettwerte?

Nahrungscholesterin erhöht die Konzentration von Cholesterin im Blutplasma durchschnittlich nur gering, aber von Person zu Person in unterschiedlichem Ausmaß [6, 9]. Bei entsprechender Veranlagung kann ein übermäßiger Verzehr von cholesterinreichen Lebensmitteln zu ungünstigen Veränderungen bestimmter Blutfettwerte führen. Daher soll die tägliche Cholesterinzufuhr bei Erwachsenen maximal 300 mg betragen [8]. Die Angabe für die tägliche maximale Cholesterinzufuhr für Kinder bezieht sich auf die Energiezufuhr; als Richtwert werden 80 mg/ 1000 kcal genannt [9]. Cholesterinreiche Lebensmittel sind oft reich an gesättigten Fettsäuren, die den LDL-Cholesterinspiegel im Blut und somit das Risiko für koronare Herzkrankheiten erhöhen können [8].

Cholesterinsynthese im Körper

Der Körper produziert Cholesterin vor allem in der Leber, aber auch im Darm und der Haut [1]. Die Cholesterinsynthese in der Leber wird durch einen Feedback-Mechanismus durch das Nahrungscholesterin reguliert. Wenn also weniger Nahrungscholesterin zugeführt wird, steigt die Eigensynthese des Körpers. Daher kann, individuell unterschiedlich, eine drastische Reduktion des Nahrungscholesterins die Cholesterinkonzentration im Serum nur mäßig senken. [7]

Lipoproteine

Da Fett nicht wasserlöslich ist, sind sogenannte Lipoproteine notwendig, die das Fett im wässrigem Blut transportieren. Je nach Fettgehalt (Fettmenge, Fettart) und Größe dieser Transportproteine unterscheidet man verschiedene Untergruppen: Chylomikronen, VLDL, IDL, Lipoprotein (a), sowie LDL und HDL, die die wichtigsten Lipoproteine sind. [1]

  • LDL Cholesterin: LDL wird umgangssprachlich oft als das „schlechte“ Cholesterin bezeichnet. LDL-Moleküle transportieren Cholesterin zu den Zellen. [3, 7] Ein erhöhter LDL-Blutcholesterinspiegel steigert das Risiko einer koronaren Herzkrankheit [6].
  • HDL Cholesterin: HDL wird häufig als „gutes Cholesterin“ bezeichnet. HDL-Moleküle befördern nicht mehr benötigtes Cholesterin aus der Gefäßwand zur Leber. Ein erniedrigter HDL-Blutcholesterinspiegel erhöht daher das Risiko einer koronaren Herzkrankheit. Der HDL-Cholesterinspiegel kann durch körperliche Bewegung positiv beeinflusst werden. [3, 6, 7]

Richtwerte für Blutfettwerte

Blutfettwerte außerhalb der Norm erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Der Anteil an LDL- und HDL- Cholesterin hat als Risikofaktor von Atherosklerose eine viel größere Bedeutung als der Gesamtcholesterinwert. Prinzipiell gilt: Je niedriger der LDL-Wert und je höher der HDL-Wert, desto besser. Blutfettwerte müssen im Kontext des kardiovaskulären Gesamtrisikos beurteilt werden. [10] Das kardiovaskuläre Risiko bezeichnet die Wahrscheinlichkeit einer Person, in einem bestimmten Zeitraum ein tödliches oder nicht-tödliches kardiovaskuläres Ereignis (z.B. einen Herzinfarkt) zu erleiden [5, 15].

Es wird in vier Kategorien (gering, mäßig, hoch, sehr hoch) eingeteilt. Hierbei spielen Faktoren wie z.B. das Vorliegen einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2, chronischer Nierenerkrankungen oder einer koronaren Herzkrankheit eine Rolle. Risikoabschätzungssysteme wie SCORE dienen ebenfalls zur Abschätzung des kardiovaskulären Gesamtrisikos. [10]

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Risikokategorie

LDL

Non-HDL

LDL-Schwellenwert für

die Einleitung einer

medikamentösen

Therapie

Sehr hoch < 70 mg/dl** < 100 mg/dl 70 mg/dl
Hoch < 100 mg/dl < 130 mg/dl 100 mg/dl
Mäßig < 130 mg/dl*** < 160 mg/dl 130 mg/dl
Gering < 160 mg/dl < 190 mg/dl 160 mg/dl

* CholNon-HDL= Cholgesamt – CholHDL

** und/oder Reduktion um ≥ 50 %, wenn der Zielwert nicht erreicht werden kann

*** Im Einzelfall, vor allem bei Personen mit ausgeprägtem metabolischem Syndrom, kann es sinnvoll sein, eine LDL-C-Absenkung auf < 115 mg/dl (Non-HDL-C < 145 mg/dl) anzustreben.

Tabelle 1: Zielwerte für das LDL-Cholesterin und das Non-HDL-Cholesterin in Relation zur kardiovaskulären Risikokategorie [10].

Bislang wurden keine spezifischen Zielwerte für HDL-Cholesterin in klinischen Studien ermittelt. HDL-Cholesterinwerte von > 40 mg/dl bei Männern und > 48 mg/dl bei Frauen deuten auf ein erniedrigtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen hin. Es gibt aktuelle Hinweise darauf, dass sehr hohe HDL-Cholesterinwerte nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. [15]

Prävention von Herzkreislauferkrankungen

Neben normalen Blutfettwerten spielen auch weitere Faktoren, wie ein gesunder Lebensstil, bei der Prävention von Herzkreislauferkrankungen eine Rolle. Präventiv wirken der Verzicht auf das Rauchen, mehr körperliche Bewegung (2,5 bis 5 Stunden pro Woche), ein normaler BMI (20 bis 25 kg/m²) und eine schlanke Taille (maximal 80 cm für Frauen und 94 cm für Männer). Außerdem wird ein Blutdruck von unter 140/90 mmHg und ein HbA1c-Wert von unter 7 Prozent empfohlen. [5, 15]

Um das Risiko einer Herzkreislauferkrankung zu senken ist eine mediterrane Kost empfehlenswert (hoher Verzehr von Getreideprodukten, Gemüse, Obst, Fisch, Olivenöl und Nüsse) [5, 15].

Faktoren, die den Cholesterinspiegel erhöhen

  • Eine erhöhte Zufuhr an gesättigten Fettsäuren kann die Gesamt- und LDL-Cholesterinkonzentration im Blut erhöhen [6, 8].
  • Trans-Fettsäuren erhöhen die Gesamt- und LDL- Cholesterinkonzentration im Blut, während sie die HDL-Cholesterinkonzentration im Blut senken [8, 9].

Faktoren, die den Cholesterinspiegel senken

  • Einfach ungesättigte Fettsäuren wie z.B. Ölsäure senken die LDL-Cholesterinkonzentration, wenn sie gesättigte Fettsäuren in der Nahrung ersetzen. [7]
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie z.B. Linolsäure erniedrigen die LDL- und Gesamtcholesterinkonzentration [6, 8, 9].
  • Pflanzliche Phytosterine können den Cholesterinspiegel senken, in dem sie die Cholesterinabsorption reduzieren [3, 7].
  • Ballaststoffe, vor allem lösliche Ballaststoffe wie Pektin, können den LDL-Cholesterinspiegel senken [13].

 

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Quellen:

[1] BIESALSKI HK, GRIMM P, NOWITZKI-GRIMM S. Taschenatlas Ernährung. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2015. Kapitel 6 Lipide: S. 100 ff.

[2] ELMADFA I. Ernährungslehre. 3. Auflage. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2015. Kapitel 2 Makronährstoffe – Energieliefernde Nahrungsbestandteile: S. 104.

[3] ELMADFA I, LEITZMANN C. Ernährung des Menschen. 5. Auflage. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 2015. Kapitel 3 Energieliefernde Nahrungsbestandteile (Hauptnährstoffe): S. 174; Kapitel 9 Ernährungsabhängige Krankheiten: S. 650 ff.

[4] ÖSTERREICHISCHER ERNÄHRUNGSBERICHT 2017. Kapitel Zufuhr von Energie und energieliefernden Nährstoffen: S. 26. Internet: https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/9/5/0/CH1048/CMS1509620926290/erna_hrungsbericht2017_web_20171018.pdf (Abruf: 06.09.2018)

[5] EUROPEAN SOCIETY OF CARDIOLOGY (ESC), DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR KARDIOLOGIE. Pocket Guidelines „Diagnostik und Therapie der Dyslipiämien", Version 2016. Internet: https://leitlinien.dgk.org/files/2017_PLL_Dyslipidaemie_Internet_neu.pdf (Abruf: 06.09.2018)

[6] DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG e.V. (DGE). Evidenzbasierte Leitlinie: „Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten“, 2. Version 2015. Kapitel 6 Fettzufuhr und Prävention der Dyslipoproteinämie: S. 81 ff. Internet: https://www.dge.de/wissenschaft/leitlinien/leitlinie-fett/ (Abruf: 06.09. 2018)

[7] BIESALSKI HK, STEPHAN CB, PIRLICH M, WEIMANN A. Erährungsmedizin. 5. Auflage 2018. Georg Thieme Verlag. Stuttgart, New York. Kapitel Lipid: S. 137 ff., Kapitel Hyperlipoproteinämien: S. 678 ff.

[8] DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG e.V. (DGE). Die Nährstoffe – Bausteine für Ihre Gesundheit. 4. Auflage 2018. Kapitel Energie, energieliefernde Nährstoffe und Wasser (Fett): S. 12 ff.

[9] D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2. Auflage, 3. aktualisierte Ausgabe 2017. Kapitel Fett: S. 3.

[10] TOPLAK H et al. Österreichischer Lipidkonsensus 2016. Management von Fettstoffwechselstörungen zur Prävention vaskulärer Komplikationen. Internet: https://www.aas.at/files/Pocket_Guide_Lipid_Konsensus_9_(2016).pdf (Abruf: 06.09.2018)

[11] TOPLAK H et al. Austrian Lipid Consensus on the management of metabolic lipid disorders to prevent vascular complication. Wien Klin Wochenschr 2016 [Suppl 2]: 128:S216–S228. Internet: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00508-016-0993-x.pdf (Abruf: 06.09.2018)

[12] SOUCI, FACHMANN, KRAUT. Die Zusammensetzung der Lebensmittel Nährwert-Tabellen. 8. Auflage 2016. S: 45, 154, 164, 343, 348.

[13] ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG (ÖGE). Ernährung aktuell. 2/2017. S.2.

[14] DEUTSCH GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG e.V. (DGE). Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE. Kapitel 4: Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen. Internet: https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/ (Abruf: 06. 09. 2018)

[15] EUROPEAN SOCIETY OF CARDIOLOGY (ESC) AND THE EUROPEAN ATHEROSCLEROSIS SOCIETY (EAS). ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. European Heart Journal (2016)37, 2999–3058. Internet: https://www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Dyslipidaemias-Management-of (Abruf: 10. 9. 2018)

 

 

 

 

 

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